24. September 2015 vk.admin

Der Placebo-Nocebo-Effekt: wie deine mentale Erwartung zur Wirklichkeit wird.

 

 

Das Phänomen Placebo ist allgemein bekannt, sein „böser“ Gegenspieler Nocebo eher weniger. Placebo ist, wenn du ein Glas Wasser für Wodka hältst und davon betrunken wirst. Nocebo ist, wenn du von dem Wasser auch noch Kopfschmerzen bekommst. Beide Phänomene beweisen: es kommt auf deine Erwartungshaltung an, was Realität wird bzw. was du als Realität empfindest.

„Et hätt noch immer joot jejange“

Dieser bewährte und beruhigend Grundsatz rheinischer Lebensart – zu gut hochdeutsch: „Bisher ist nie etwas passiert.“ – wurde vor einigen Jahren für die Bürger des Städtchens Niederkassel am Rhein außer Kraft gesetzt. Mitten in der Idylle sollte ein Handymast gebaut werden. Die von Natur aus eher tiefenentspannten Rheinländer waren plötzlich gar nicht mehr entspannt, sondern entsetzt: „die Strahlen, bei uns mittendrin!“

Die Proteste der Bürger blieben erfolglos. Aber wie so manches Bauprojekt schleppte sich auch die Errichtung des Niederkasseler Ärgernisses dahin. Dann wurde es plötzlich ernst: Die Antennenhalter wurden montiert.

Prompt klagten die ersten Anwohner über massive gesundheitliche Beeinträchtigungen. Sollten die Sorgen berechtigt sein? Zumindest in diesem Falle nicht, denn an dem Mast befanden sich über Monate nur die Halterungen aber weder Antennen noch Sender. Und ohne die gab es keine Strahlung, also keinen realen Grund für Schlafstörungen und Kopfschmerzen.
Nach Inbetriebnahme der Sender ist der Stadtteil keineswegs geschlossen in den Krankenstand getreten. Wer bis dahin unbeeinträchtigt war, blieb es, und der Zustand der bis dahin Kranken verschlimmerte sich nicht.

Waren also Spinner und Simulanten unter den Bürgern? Sicher nicht. Die negative Erwartung hat sich in ihrer Wahrnehmung ja erfüllt – ein Nocebo im übertragenen Sinne.
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Placebo Nocebo – zwei Seiten der selben Medaille

Der Placebo Effekt und das Phänomen Nocebo sind wissenschaftlich belegt, beispielsweise durch zahlreiche Studien der in der Placeboforschung international führenden Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Placebo Medikamente sind ein selbstverständlicher Teil der medizinischen Forschung.

Stell dir vor, du bist Arzt oder Forscher. Nimm einen Kranken und gib ihm ein Medikament mit einem Wirkstoff, dessen Heilkraft du belegen willst. Der Patient wird gesund. Damit hast du leider noch nichts bewiesen. Geh ein paar Placebo Tabletten kaufen, die in Form und Farbe zu dem vermeintlich erfolgversprechenden Präparat passen und verabreiche sie dem Patienten. Gut möglich, dass sie bei ihm ohne jeden Wirkstoff die gleiche Heilkraft entfalten.

Die Nocebo Definition beschreibt den umgekehrten Effekt: Dein Patient klagt über schädliche Nebenwirkungen, die er nur durch seine negative Erwartungshaltung wahrnimmt. Sie müssen nicht medizinisch nachweisbar sein. Es genügt oft, dass sie auf dem Beipackzettel stehen.

Du kannst das Gedankenspiel noch weiter treiben: Dein Patient klagt über Nebenwirkungen eines real vorhandenen Wirkstoffes. Du ersetzt den Wirkstoff durch ein Placebo. Du setzt also den Wirkstoff ohne Wissen des Patienten ab. Die Nebenwirkungen bleiben – ein klarer Fall von Nocebo.
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Beide Effekte gehören zum Alltag

Placebo heißt übersetzt „Ich nütze“. Das Wort hat längst auch außerhalb des medizinischen Zusammenhangs Eingang in die Alltagssprache genommen. „Self Fullfilling Prophecy“ (selbsterfüllende Prophezeiung) ist ein anderes Wort für diesen Effekt. Du freust Dich die ganze Woche auf eine Grillparty. Das Wetter ist schlecht, die Getränke warm und das Essen mäßig. Wahrscheinlich hast du dank deiner positiven Erwartungshaltung trotzdem einen schönen Abend.

Siehst du seit Wochen einer Familienfeier mit Grauen entgegen, wird dir der Abend unangenehm und lästig sein – auch wenn die liebenswerte Tante Frieda weder Kosten noch Mühen gescheut hat.

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Positives Erwarten kannst du lernen

Es lohnt sich, deine negativen und positiven Erwartungen in den Griff zu bekommen. Das gilt nicht nur im privaten, sondern gerade auch im beruflichen Umfeld. Wenn du mit einer negativen Einstellung zu einem Vorstellungsgespräch oder zu einem Geschäftstermin gehst, ist der Misserfolg vorprogrammiert.

Du magst einwenden, dass du wenig Chancen auf den Job hast. Stimmt, du hast wenig Chancen. Aber ist dein Glas halb voll oder halb leer? Freu dich über die wenigen Chancen. Freu dich über die Begegnung, die Erfahrung – auch wenn es am Ende negativ für dich ausgeht. Du weißt es nicht vorher. Das ist im übertragenen Sinne deine Dosis Placebo Nocebo für diesen Tag.

Positives Erwarten kannst du lernen. Es lohnt sich. Denn genau aus diesem Grund bieten wir Seminare an in denen du das intensiv trainieren kannst.

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Schönreden ist erlaubt

Es hat nichts mit Realitätsverweigerung zu tun, wenn du mit einer positiven Einstellung durchs Leben gehst. Versuche dir die positiven Aspekte vor Augen zu führen. Lache, auch wenn es scheinbar gerade keinen Grund dazu gibt.

Du kennst das Gefühl, wenn dir in einer scheinbar aussichtslosen Situation jemand sagt: „Das wird schon wieder.“ Du fragst zu Recht, woher der das denn wissen will. Und trotzdem atmest du für einen Moment auf.

Dein Unterbewusstsein beeinflusst massiv deine Wahrnehmung. Anders sind die Phänomene Placebo und Nocebo nicht zu erklären.

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Kommentare (15)

  1. Ljiljana Klaue

    Hallo Volker,
    so simpel einfach erklärt………. genial, danke.
    Habe auch deine Seminare QC 1 und QC 2 absolviert.
    Diese kann ich nur jedem ans Herz legen. In meinem Leben
    haben sehr viele positive Veränderungen statt gefunden und
    finden immer noch statt. Diese hätte ich in meinen jungen Jahren
    gut gebrauchen können, aber es ist nie zu spät sein Leben
    zu ändern und seinen Weg zu gehen.
    Danke, Danke, Danke von ganzem Herzen
    Lieber Gruß
    Ljiljana Klaue

  2. Eveline

    Immer das Gute erwarten, wenns anders kommt kann ich mich immer noch auf die Situation einstellen und das Beste daraus machen 🙂

  3. Hans Jürgen Pobieglo

    Hallo Volker ..
    schön wieder Beiträge von Dir zu sehen / hören , die Beiträge sind sehr verständlich erklärt und wie immer hochinteressant .

    Viele Grüße ,auch an den RITZLERHOF
    Hans Jürgen Pobieglo

  4. gabriele Clemens

    Mein Tipp dazu: schicke einem negativen Gedanken gleich 2 positive hinterher, ich bin von beiden Effekten ueberzeugt

  5. Danke, ich möchte ebenfalls meine Einstellung in eine positive wandeln. Ich habe gerade das Gefühl durch eine schwere Zeit zu gehen und da ich lieber in einer positiven Zeit sein möchte habe ich mir fest vorgenommen meine Einstellung zu ändern und eben positives zu erwarten. Es stellt sich manchmal als nicht ganz einfach heraus, aber vielleicht ist es ganz einfach und ich weiß es nur noch nicht so genau. Ich denke ich muss einfach daran glauben, dass es ganz einfach ist und dann wird sich alles von selbst regeln. Danke!

  6. Iris Schickel

    Vielen Dank für die interessante Information. Ich werde mir dies zu Herzen nehmen und
    mit dieser Grundeinstellung arbeiten.

  7. ursel

    es liegt nur an mir was ich aus dem tag mache.,oder mein Leben.
    Danke wunderbar erklärt.
    Arbeite schon lange daran,Danke Danke

  8. Timo

    Vielen Dank für eure Newsletter!! Sie sind alle sehr interessant, verständlich und machen große Lust auf das Mastertraining! Lieben Gruß

  9. Hallo Volker,
    du hast absolut recht mit dem Placebo/Noceboeffekt. Ich habe dazu ein kleines Gedicht geschrieben und stelle immer wieder fest, wieviel leichter mein Leben ist, weil ich täglich an gute Begegnungen glaube. danke für die dahinter stehenden Erklärungen.

    Auf die Frage:
    „Wie geht es dir? „
    antwortete er erschöpft:
    „Ich kämpfe mich so durchs Leben.“
    Damit bestellte er jeden Tag seinen Kampf –
    und diese Bestellung erfüllte sich tagtäglich neu.
    Was ihm fehlte war:
    eine neue Bestellung!
    Meine lautet:
    „Das Leben ist ein wundervolles Geschenk.“
    und ich finde täglich neue Geschenke des Lebens.

    In diesem Sinne liebe Grüße

    Gabriele Jöhren

  10. Christian Petzoldt

    Hallo Volker,
    meine Devise war immer
    – in jedem Misserfolg ist eine große Chance-
    Man erkennt sehr schnell was falsch gelaufen ist und kann daraus lernen und etwas neues machen. Oft war das der Anfang zum Erfolg bei mir.
    Grüße Chris

    • Volker Knehr

      Hallo Chris, das ist ja eine lobenwerte Geisteshaltung. Ich habe nur nicht den Zusammenhang mit dem Beitrag erkannt! Kannst du mir hier auf die Sprünge helfen?
      Gruß Volker

  11. Gerlinde

    Hallo Volker! Die Newsletter sind allesamt eine große Bereicherung! Herzlichen Dank! :-= ! Lese sie mit Begeisterung! Bin dir auch dankbar, dass ich QC von dir lernen durfte! Weiter so und ganz liebe Grüße aus Niederösterreich!

  12. Silvia Elisabeth

    Hallo Volker! Dieser Beitrag passt punktgenau zu einem meiner momentanen Lebensthemen. Habe schon während deines Kurzvideos begonnen in dieser Sache positiv zu denken. Vielen Dank Silvia

  13. Stefan Brunotte

    Super Beitrag! Wäre schön, wenn noch viel mehr Leute – z. B. durch deinen Beitrag – hier etwas bewusster würden. Das müsste doch auch im Interesse des „Staates“ liegen, denn – wofür haben wir bzw. bilden und füttern wir denn soetwas wie „Staat“ überhaupt?!?

  14. Hai Volker,
    danke für den Artikel, der hilft mir weiter in meiner Denkweise, die sehr sehr behaftet ist von negativen Glaubnesssätzen. Diueser gegegnspieler des Placebo ist für mioch besser nachzuvollziehen. IUvch persönlich hatte vom letzten Nov. bis Juni d.J. über 30 Kg weggemacht. Hat super funktioniert da ich mir kaum Gedanke darüber gemacht habe. Seid dem Sommer denke ich vermehrt darüber nach und es funst nicht wirklich. Bin aber doch, duch Reha und KG, eine Stück weitergekommen in Punkto Bewegung. Nur die wieder rum negativen Gedanken über Essen usw. hintern mioch am weiteren Erfolg.
    Danke, durch diese Artikel und Deine Videos komme ich wieder ein Stück näher an meine Vorstellung.

    Entspannte Grüße

    Jürgen

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