5. Februar 2016 vk.admin

Hilfe, mein Kind ist in der Pubertät!

 

 

Pubertät? Oje! So lange ist es noch nicht her, da kuschelten sie sich gerne an uns, die lieben Kleinen. Wenn wir abends auf dem Sofa saßen, wollten sie noch ein Buch vorgelesen haben, eine Tasse Kakao gekocht bekommen oder die Erlaubnis erhalten, fernzusehen.

Am Wochenende bestanden sie auf dem vollen Programm: Stadtbücherei, Oma, Besuch. Sie baten und bettelten so lange, bis wir trotz Husten und Schnupfen mit ihnen zum Schlittschuhlaufen gingen, Lego spielten oder Laternen bastelten. Wie gerne hätten wir mehr Zeit für uns gehabt, jetzt ist es umgekehrt. Stunden, ganze Nachmittage oder Tage: Stille im Kinderzimmer. Rätselhaft. Beunruhigend.

1. Tipp: Pubertät Erziehung

Trotz Pubertät, ein wenig Kontakt hin und wieder wäre ja schon nett, aber den Nachwuchs interessiert das nicht. Noch weniger Aufmerksamkeit widmet er den basalen Aufgaben des Lebens: Im Kinderzimmer findest Du Schulbücher zwischen Schokoladenpapieren und Socken. Essen zubereiten, Geschirr wegräumen, aufräumen – alles völlig überbewertet. Das Kind hängt bei Tisch über seinem Teller und macht sich unsichtbar.

Es faltet seine viel zu langen Beine, die gestern noch nicht da waren und irgendwie fremd wirken, unter unserem Tisch zusammen. Vorausgesetzt, wir bestehen darauf, dass es mit uns zusammen die Mahlzeit zu sich nimmt. Kinder, die in die Pubertät kommen, können uns plötzlich fremd werden, aber auch sie selbst fühlen sich nicht selten sichtbar fremd und deplatziert.

Damit zurecht zu kommen, ist für keinen einfach: Weder für die Eltern noch für das Kind. Dieses scheint in der Pubertät am glücklichsten zu sein, wenn es sich seinen inneren Gärungsprozessen überlassen kann, die sich bedauerlicherweise unserer Wahrnehmung und Kontrolle entziehen und uns nicht selten in Alarmbereitschaft versetzen. An seiner Tür ein Schild: Vorsicht Pubertät! Ständig gereizt, weiß alles besser, total cool! Anlehnungsbedürftiges Kleinkind war gestern. Wer braucht schon Eltern?

Gelegentlich aber wandeln sie schlaftrunken am Morgen durch den Flur und murmeln: „Mama, gibt’s noch frische Wäsche?“ Spätestens dann, wenn Du keine Teller mehr im Schrank hast und sie neben der Schlafstatt der Sprösslinge gestapelt findest, ist es Zeit miteinander zu reden. Dabei geht es um eine neue Ebene, anders als in der Erziehung zuvor.


2. Tipp: Verständnis in der Pubertät erweitern

Sicher, wir wünschen, dass unsere heranwachsenden Kinder ganz von alleine allmählich anfangen, sich wie zivilisierte Mitbewohner zu benehmen: Auch mal an die Wäsche denken, das Zimmer saugen, die Geschirrspülmaschine ausräumen. Ihre scheinbare Ignoranz bringt uns zur Weißglut. Möglicherweise aber sind unsere Lieben umgekehrt mit einem ganz ähnlichen Problem beschäftigt, das sie uns ja auch voller Prass und Verzweiflung an den Kopf werfen können: „Du hast ja überhaupt keine Ahnung! Du bist so ungerecht! Wo lebe ich hier eigentlich?“ – Letzteres könnte eine ernstzunehmende Frage sein, denn die Pubertät ist ja vor allem eins: Ein großes Erwachen.

Neue Möglichkeiten tun sich auf, Handlungsspielräume erweitern sich. Der Heranwachsende will Vieles alleine ausprobieren, am liebsten alles. Und er hat die besten Voraussetzungen dazu: Denn das Gehirn befindet sich in der Pubertät in einer Umbauphase. Die Angstkontrolle nimmt ab, der Wagemut hat freie Hand.

Eltern können sich glücklich schätzen, wenn sie nicht immer wissen, was ihre Teenies in der Pubertät so alles treiben. Evolutionär war dies von großer Bedeutung: Die Risikofreude der Heranwachsenden war ein entscheidender Vorteil, konnte dieses Potenzial doch dazu genutzt werden, neue Lebensräume zu erschließen oder Territorien zu gewinnen.


3. Tipp: Veränderungen in der Pubertät akzeptieren

Kinder in der Pubertät spüren, dass sie groß werden und wollen die Welt erobern. Die Erwachsenen stören dabei nur. Andererseits aber fühlen sich die Jugendlichen in der Pubertät immer wieder auch ganz klein angesichts der Unüberschaubarkeit der Welt, die sich nun auftut, und angesichts der Entwicklungsaufgaben, die auf sie zukommen.

Nicht nur die Stimme befindet sich in einem Umbruch, viele Selbstverständlichkeiten entpuppen sich für das Kind in der Pubertät als weniger selbstverständlich als angenommen. Auch dies hat einen ganz handfesten Grund: Das Gehirn befindet sich im Umbau. Es werden neue Verbindungen hergestellt und alte gekappt.

Wenn Dein pubertierender Teenager also plötzlich ganz anders auf Dich reagiert, als Du das gewohnt bist, liegt das daran, dass sein Gehirn einer Großbaustelle gleicht. Die Steuerungszentrale, so ließe sich sagen, wird neu verdrahtet und verliert an Substanz: Im Laufe der Pubertät wird das Gehirn um 7% leichter.

Unser lieber Nachwuchs ist völlig aus der Bahn geworfen, und das über einen langen Zeitraum. Die Pubertät ist neurologisch nicht nur eine Großbaustelle, sondern eine Wanderbaustelle: Sie dauert bis etwa zum 25 Lebensjahr. Erst dann ist das Gehirn vollständig gereift und kann auch die Gefühle steuern.


4.Tipp: Jungen Pubertät / Mädchen Pubertät

Für Jungen und Mädchen ist die Pubertät infolge der hirnphysiologischen Veränderungen eine emotionale Achterbahnfahrt. Manche Vorstellung zerbricht, manche Erwartung, vielleicht auch manche Beziehung. Verliebtheit, erster Liebeskummer, wir wissen nicht, was alles in ihrer Seele Platz beansprucht. Welche Gefühle während der Pubertät im Vordergrund stehen, ist von Kind zu Kind verschieden, und ist für Jungen in der Pubertät anders gelagert als für Mädchen.

Die gesellschaftlichen Erwartungen hinsichtlich der Geschlechterrolle beginnen eine große Rolle zu spielen, und können ihrerseits eine massive Verunsicherung bewirken. Meist haben wir Erwachsenen hinsichtlich unserer eigenen Pubertät eine ausgeprägte Amnesie, was mit den teils heftigen Gefühlen zusammenhängt, die diese Zeit lebensgeschichtlich begleitet.


5. Tipp: Heftige Gefühle sind normal

Die Reifungsprozesse in der Pubertät sind wahrlich nicht geeignet, ein harmonisches Miteinander zu stiften. Das aber liegt vor allem daran, dass aus der Sicht der pubertierenden Kinder die Welt selbst aus den Fugen gerät. Die physische Reifung und kognitive Entwicklung konfrontiert sie mit massiven Entwicklungsaufgaben: Erstens wachsen sie ununterbrochen. Ständig verändern sich die Proportionen, die Blickwinkel. Sie schießen in die Länge und fressen unseren Kühlschrank leer, trotzdem haben sie permanent Hunger.

Ihr Tagesrhythmus entgleist und passt nicht mehr zu dem der Eltern. Auch die Kleidung passt nicht mehr, keine Hose hat eine Chance, eine Lieblingshose zu werden, schon ist sie wieder zu klein. Wo sie sich vorher geborgen fühlen konnten, fehlt ihnen nun der Halt.

Die neurologischen Veränderungen der Pubertät bewirken einen Erkenntnisschub: Die Welt und ich sind zweierlei, und der Hafen der Familie ist so sicher nicht. Erkenntnis ist von Gefühlen begleitet, von heftigen Gefühlen und noch heftigeren Gefühlsambivalenzen: Die Suche nach der eigenen Individualität und Identität kann starke Rückzugstendenzen zeitigen, mit heftigen Einsamkeitsgefühlen einhergehen, innen und außen massive Turbulenzen erzeugen.

Wenn Türen knallen, Taschentücher gebraucht werden, dann hat das meist damit zu tun, dass wir für den Kummer und die Anlehnungsbedürfnisse der nun großen Kleinen nicht mehr die richtigen Ansprechpartner sind. Zuweilen hilft es nur, Anwesenheit und Ansprechbarkeit zu signalisieren, in dem Wissen, dass wir nicht helfen können. Vorbei sind die Zeiten, in denen wir zauberhaften Trost spenden konnten. Ablösungsprozesse sind schmerzhaft, für beide Seiten.


6. Tipp: Achtung: Gefühle brauchen Resonanz

In keinem anderen Lebensalter sind die Gefühlsambivalenzen so stark wie in der Pubertät. Sie sind schwer auszuhalten, für das Kind wie für das Umfeld. Aber sie sind ganz normal, sie gehören dazu, mehr noch, sie sind notwendig und brauchen einen Resonanzraum, damit der Heranwachsende gesund bleiben kann. Für die Identitätsbildung der Heranwachsenden in der Pubertät sind Erfahrungen von Einsamkeit genauso normal wie Größenfantasien.

Werden die Gefühle eingeengt, hat der Jugendliche keine Chance, mit ihnen produktiv umzugehen und seine eigene innere Balance zu finden. Dann können aus Rückzugstendenzen und Einsamkeitsgefühlen schnell ernsthafte Depressionen werden. Depressionen bei Kindern sind nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, sie können sich chronifizieren und weit über die Pubertät hinaus das Leben belasten.


7. Tipp: Neue Verbindungen schaffen!

Es geht in der Pubertät darum – wie so oft im Zusammenleben mit anderen Menschen – eine gemeinsame Balance zu finden. Kinder in der Pubertät brauchen Freiräume, sie brauchen aber auch weiterhin unsere Anteilnahme, Fürsorge, Aufmerksamkeit. Sie wollen nicht ausgefragt werden, sind aber keineswegs abgeneigt uns die neuesten Neuigkeiten zu erzählen, wenn wir ihnen im richtigen Augenblick unser Ohr schenken. Wir müssen uns in Geduld üben und den Jugendlichen Zeit lassen, ihren eigenen Takt im Leben zu finden.

Gut ist, einfach dasselbe zu machen wie das Gehirn: Neue Verbindungswege suchen! Dass sich unsere Kinder in der Pubertät von uns entfernen, ist normal, dass uns das schmerzt, ist unausweichlich. Jede Wende im Leben hat ihr eigenes Glück und ihr besonderes Unglück. Gerade darüber können wir noch lange mit unseren Kindern verbunden bleiben.


Fazit:

Geht der Draht zu den Kindern während der Pubertät verloren, kann meist niemand etwas dafür. Es ist also gut, sich nicht wechselseitig in Vorwürfe zu verstricken und den Dingen hin und wieder einfach ihren Lauf zu lassen. Auch Eltern dürfen von Zeit zu Zeit auf Standby-Betrieb schalten: Einfach mal abschalten und trotzdem erreichbar sein. Ihr Kind wird es Ihnen sicher danken, wenn nicht gleich, aber ganz sicher nach der Pubertät.


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