10. Mai 2014 vk.admin

Trost spenden – Wie man in schweren Stunden neuen Mut schenkt


Trost2„Trost ist eine Gabe des Herzens“
– Volker Knehr

Am liebsten würden wir ganz ohne Leid und ohne Trauer durchs Leben gehen. Aber wie man sich vorstellen kann, wird das eher schwierig. Wo Gesundheit ist, sind leider auch der Tod und die Krankheit nicht weit.

Ich gebe zu, mir persönlich es fällt mir viel leichter über das Glück zu reden oder zuschreiben als über Krankheiten oder Trauerfälle.

Fakt ist aber, dass wir alle immer wieder mit genau diesen Themen, diesen scheinbar dunklen Seiten des Lebens konfrontiert werden. Manchmal treffen uns Schicksalsschläge wie eine Donnersalve – und das obwohl wir selbst persönlich gar nicht betroffen sind. Nein, manchmal trifft es geliebte Menschen. Und zwar  so knüppelhart, dass sie komplett aus der Bahn geworfen werden – sie ziehen sich zurück, sind sprach und hilflos. Und wer ist dann da, um ihnen Trost zu schenken? Genau die Familie, der Partner,  der beste Freund, die beste Freundin –  also DU. Dann musst du da sein, dann musst du Trost spenden und einen geliebten Menschen trösten.

Das klingt immer so leicht. Trösten, Trost spenden, Mitgefühl zeigen. Aber ganz ehrlich, Trost ist nicht von heute auf morgen zu spenden und das Trösten vor allem nicht jedem in die Wiege gelegt. Ich denke, es ist jedem schon passiert, dass ein Anruf kam und am anderen Ende eine schluchzende Stimme nach Worten ringt und wir damit vollkommen überfordert sind. Dann purzeln uns schnell Phrasen aus den überforderten Mündern:

„Das wird schon!“

„Lass dich nicht unterkriegen!“

„Sei stak!“

Diese Sätze gehen dem Tröster schnell über die Lippen, aber mal unter uns: Dieser Trost bringt rein GAR nichts! Dieser Trost lindert nur eines: Nämlich das schlechte Gewissen des Trösters. Trösten ist viel mehr als ein Schulterklopfen. Wenn es einem Geliebten wirklich mies geht und er oder sie einen Menschen oder die Gesundheut verloren hat, dann sitzt der Stachel so tief, dass reine Oberflächlichkeit rein gar nichts bewirkt. Und weil ich weiß, dass so gut wie niemanden ein Trost Seminar besucht hat, aber so gut wie jeder einmal in eine Situation kommt, in der man trösten muss, beschäftige ich mich heute mit genau diesem Thema.

Ich gebe zu, als ich noch viel jünger war, habe ich mich lange gescheut einen Menschen wirklich zu trösten und die miesen Gefühle, die mein Gegenüber hat, wirklich an mich ran zu lassen und sie zu meinen eigenen Emotionen zu machen. Ich war, wie so viele,  oberflächlich und hatte geradezu Angst vor der Konfrontation. Während sich ein Mensch, der eigentlich meine Hilfe gebraucht hat immer mehr zurückzog, konnte auch ich keinen Schritt mehr in seine Richtung machen. Der vollkommen falsche Weg, denn ein afrikanisches Sprichwort zum Thema Trost besagt:

„Niemand kann einem anderen die Tränen trocknen, ohne sich selbst die Hände nass zu machen.“

Die oberste Prämisse beim Trost schenken  ist also sich in die Person einzufühlen, wahres Mitgefühl und eigene Emotionen zu zeigen.

Der größte Fehler, den man machen kann, ist unbeteiligt zu wirken. Jeder, der Trost sucht ist erst einmal total am Boden und kann mit abgedroschenen Phrasen rein gar nichts anfangen. Aber eins nach dem anderen.


Trost spenden – So nicht!

Verluste, Krisen, Kummer und Schmerzen –  wie soll und kann man da reagieren? Mit Betroffenheit, Unsicherheit, Traurigkeit, Verzweiflung, Mitleid, Mitgefühl, Angst, Schuldgefühlen und Hilflosigkeitsgefühlen? Klar, wenn uns ein Mensch nahe steht, geht uns sein Leid auch an die Nieren, aber deshalb selbst verzweifeln und bewusst keinen Trost spenden?

Bevor ich mich, den wirklich guten Trost Tipps widme, will ich dir kurz erklären, wie das Trösten nicht funktioniert:

TROST NO GO 1:
Dem Menschen NICHT aus dem Weg gehen, auch wenn es schwer fällt Leid zu sehen!

TROST NO GO 2:
Die Ernsthaftigkeit der Lage NICHT herunterspielen: NICHT „Ist doch alles nicht so schlimm”.

TROST NO GO 3:
KEINE Vergleiche ziehen: NICHT „Mir ist das auch mal passiert und es ging wieder vorüber”.

TROST NO GO 4:
KEINE falschen Hoffnungen wecken: NICHT„Es wird bestimmt alles wieder gut”.

TROST NO GO 5:
NICHT mit Mitleid überschütten: NICHT „Wie schrecklich doch die Welt ist”.

TROST NO GO 6:
NICHT an die Vernunft appellieren: NICHT „Jetzt reiß dich doch mal zusammen“.

TROST NO GO 7:
Die Gefühle des anderen NICHT auf die leichte Schulter nehmen:  NICHT „Zeit heilt alle Wunden”.

TROST NO GO 8:
Das Thema NICHT totschweigen oder ablenken: NICHT „Denk an was anderes“.


Trost  spenden – So tröstet man richtig!

Das wichtigste zuerst:
Sei emotional empfänglich und versuche dir ehrlich Zeit zu nehmen und ehrliche Anteilnahme zu zeigen.

Und noch viel wichtiger:
In der Stille liegt die Kraft. Denn wenn ich ehrlich bin, erwarten Trauernde eigentlich gar keine tröstenden Worte, sondern einfach nur, dass man ihnen zuhört, dass sie verstanden und in ihrer Trauer angenommen werden. Besonders in der akuten Situation des Verlustes ist dies oft der einzige Trost, den man geben kann.

Das alleine ist noch keine ausreichende und befriedigende Anleitung zum Trösten, ich weiß.  Aber du sollst auch wissen, dass es keinen Trost-Masterplan gibt. Jeder Mensch ist anders und jeder will anders getröstet werden (auch wenn man  die Frage nach dem WIE selbst nie wirklich sagen kann). Was aber auf jeden Fall immer stimmt, ist die Tatsache, dass Trösten auf keinen Fall als Tränen-Vermeidungstaktik verstanden werden soll UND Trost spenden auch nicht bedeutet, einem Menschen in Sekunden durch Wundermittel von all seinen Qualen und Trauergefühlen zu befreien. Das kann niemand!

Denke beim Trost spenden immer an diese 4 Tipps:

TROST TIPP 1:
Räume dem Trauernden gegenüber immer das Recht ein emotional, traurig, ängstlich oder verbittert zu sein.

TROST TIPP 2:
Versuche herauszufinden und zu verstehen weshalb der Trostsuchende verzweifelt und deprimiert ist.

TROST TIPP 3:
Gebe dem Trauernden das Gefühl, dass du immer da bist!

TROST TIPP 4:
Suche mit deinem Gegenüber nach Wegen, wie man mit den Gefühlen, mit dem Verlust und der Trauer umgehen kann.

Zwei Fragen, mit denen ich gute Trost-Erfahrungen gemacht habe, sind:

„Wie geht es Dir wirklich?“

„Was genau kann ich tun, um dir zu helfen?“  

Traue dich in die Offensive zu gehen und Trost nicht nur als Beschwichtigungsinstrument zu benutzen! Sei für diesen Menschen da, rufe immer wieder an, besuche ihn. Gebe einem Trostbedürftigen immer das Gefühl nicht allein zu sein! Und wenn nichts mehr hilft, dann helfen zum Trost immer noch eine Umarmung und eine starke Schulter zum Anlehnen.


Trost – was soll ich sagen?

Nicht: Die Zeit heilt alle Wunden!
Sondern: Die Trauer wird bleiben, aber der Schmerz wird nachlassen!

Nicht: Du bist jung, du kannst noch viele Kinder bekommen!
Sondern:  Es ist wohl das Schlimmste, was Eltern passieren kann, wenn sie ihr Kind zu Grabe tragen müssen. (So zeigt man Mitgefühl und Verständnis und versucht gar nicht erst irgendwie etwas schön zu reden.)

Nicht: Du musst den Verstorbenen loslassen!
Sondern:  Den Tod eines geliebten Menschen kann niemand vergessen! (So wird der Druck genommen sofort jemanden vergessen zu müssen)
Nicht:
Kopf hoch, das schaffst du schon!
Sondern:  Wie kannst du es schaffen? Wie kannst du wieder aufstehen? (Auch diese Aussage zeigt Mitgefühl und versucht den Trauernden wieder auf den rechten Weg zu führen)

Zum Schluss noch eines:
Wir sind alle keine Profis in Sachen trösten und Trost spenden und ganz oft fühlt sich ein Tröster vollkommen überfordert. Deswegen scheue dich nicht dir das einzugestehen. Es ist beim Trösten vollkommen okay zu erkennen, dass man sich im Moment ersteimal hilflos, überfordert oder ohnmächtig fühlt. Dafür muss man sich nicht schämen und der Trost Tipp, „suche dir Hilfe vom Profi“ ist allemal besser als ein geheucheltes, „die Welt geht nicht unter“!

Meine Frage an DICH:
Wie tröstest du andere? Vielleicht hast du ja einen guten Tipp für unser Blog-Leser.


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Kommentare (6)

  1. Lena

    Wenn ich traurig bin, möchte ich einfach, dass man mir zuhört. Einfach da sein und zuhören. Ich erwarte keine großen Worte, die die Situation noch dramatisieren und noch unerträglicher machen. Und so tröste ich auch andere Menschen. Da sein, zuhören und mit Rat und Tat zur Seite stehen, Fragen stellen und einfach dem anderen das Gefühl geben das er nicht alleine ist und das er sich auf mich verlassen kann. Dabei ist es wichtig objektiv zu bleiben. Bei einer Trennung den Expartner des Verlassenen nicht schlecht machen. Dann lieber gar nichts sagen und eine Schulter zum anlehnen bieten.

  2. Lieber Volker,
    seit langem beschäftigt mich das Thema „Trost spenden“ sehr und daher bin ich sehr glücklich, diesen Blog von Dir zu lesen. Ich frage mich, warum fällt es den meisten Menschen so schwer, in den wichtigsten Momenten einfach nur da zu sein und die richtigen Worte zu finden. Leider musste ich selbst erfahren, wie es sich anfühlt, wenn sich beste Freunde aus dem Staub machen, weil sie nicht in der Lage sind, bestimmte Situationen anzunehmen und sich selbst damit zu konfrontieren. Angst, Unsicherheit, Betroffenheit und Mitleid ist meist der Grund dafür und sicher, es ist nicht einfach, wenn ein erschaffener Prophet vom Sockel stürzt. Da ändert sich plötzlich von einer Sekunde auf die andere das persönliche Weltbild. Aber gerade dann ist Umdenken angesagt. Mitgefühl statt Mitleid, Zuhören statt Reden, angebotene Hilfe statt oberflächliches Geplänkel. Und in Situationen, wo jedes Wort zu viel ist, genügt es völlig, einfach nur da zu sein und gemeinsam die dicksten Tränen zu weinen, um dann anschließend gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.
    Ich danke Dir sehr für Deine Impulse und hoffe, dass viele Menschen diese Zeilen lesen. Herzliche Grüße Annette

    • Christa

      Das ist ein wirklich wahrer Beitrag.
      In einer wirklichen Notsituation merkt man, wer wahre Freunde sind.
      Es entsteht ein neuer Kreis.
      Aber die Menschen, die dann noch bleiben, sind Gold wert.
      Liebe Grüße

  3. Judith

    Mein Mann ist aufgrund akuter Leukämie an der Grenze zwischen Leben und Tod.
    Und es ist beinahe unerträglich, was man alles hören muss …
    Deshalb herzlichen Dank für diesen wohltuenden Kommentar in schweren Zeiten.
    Mit dem Herzen hören und handeln trifft es auf den Punkt.

    • Christa

      Liebe Judith,
      das ist traurig und erschütternd, was sie da durchleben.
      Ich habe im letzten Jahr ähnliches erlebt, und weiß genau was Sie meinen.
      Ich wünsche Ihnen und Ihrem Mann von Herzen viel Kraft .

      Ganz mitfühlende Grüße
      Christa

  4. Chester

    Ich selbst wurde nur sehr selten in meinem Leben etwas getröstet, kann mich nur an ein einiziges mal erinnern, soetwas ist wirklich selten.Ich selbst möchte garnicht mehr getröstet werden und dränge auch niemanden zum trösten. Wenn jemand dich wirklich trösten will und sich dazu bereit fühlt kommt er auf dich zu. Und wenn ich mich selbst dazu bereit sehe jemanden zu trösten dann gebe ich ihm einfach das was ich mir schon mein ganzes Leben wünsche, nämlich ein Streicheln, eine Umarmung, ein warmer Schoß zum ausruhen und das nicht nur für einen Moment sondern einfach so lange wie es nötig ist.

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