15. Juli 2014 vk.admin

Verzeihen können – so befreist du dich von deinen schlimmsten Erfahrungen!

Ziele2
“Verzeihen ist keine Narrheit, nur ein Narr kann nicht verzeihen“ – chinesisches Sprichwort

Wenn du an einen klassischen Film denkst, was genau passiert da? Also so an Handlungen? Nein, ich meine nicht die neumodische Entwicklung hin zu Autos, die sich zu Kampfmaschinen verwandeln oder blaue Avatare, die gegen die Menschen kämpfen. Ich meine das klassische Thema.

Genau, „Boy meets Girl“, die Frau und ihr Traummann. Am Anfang scheint alles perfekt, doch dann, irgendwann baut einer der beiden Mist – meist der Mann – geht fremd, lügt, oder spielt ein doppeltes Spiel. Aber warum gibt es trotz diesem schrecklichen Verhalten der Männer, am Ende fast immer ein Happy End?

Naja, erstens, weil der Mann sich noch mal den Hintern aufreißt und zweitens, das ist viel wichtiger, weil die Frau ihrem Götterboten verzeiht. Ja, der Hauptgrund ist ganz klar das Verzeihen!
Happy Ends gibt es, weil Menschen Fremdgehen verzeihen,  Lügen verzeihen, ein falsches Spiel verzeihen – im Film geht das.

„Ach er hat es doch nicht so gemeint, sie soll ihm verzeihen!“

„Ach seine schönen blauen Augen, sie muss ihm verzeihen!“

„Ach er liebt sie doch, sie muss ihm verzeihen.“

So etwas denken wir doch insgeheim, oder? Aber wie ist es im wahren Leben, wie ist es, wenn unser eigener Traummann, unser Brad Pitt, unsere Traumfrau, unsere Bridget Jones im realen Leben einen folgenschweren Fehler begeht? Verzeihen wir? Können wir verzeihen? Fällt es uns leicht eine psychische Verletzung zu verzeihen?

Es ist ein sehr heikles Thema, das weiß jeder, der sich schon einmal verarscht fühlte, jeder der angelogen wurde, jeder der auf einmal verzeihen sollte. Ich weiß aus meinen Seminaren, dass viele mit dem Verzeihen nicht richtig umgehen können. Die einen, weil sie es gar nicht wollen und einfach jeden Fehler durchwinken (ist falsch), die anderen, weil sie es nicht können (und automatisch sagen, ich werde dir das nie verzeihen  –  ist auch falsch)

Mal ehrlich, beide Lösungen sind nicht ideal. Wer alles durchgehen lässt, wird selbst zum Spielball eines anderen und wer alles ablehnt und nicht verzeihen kann, schadet am Ende des Tages vor allem sich selbst. Denn Fehler sind menschlich. Menschen sind deshalb aber keine Fehlkonstruktionen.

Es wird immer wieder vorkommen, dass dir ein Mensch weh tut, auf den Schlips tritt und das vielleicht gar nicht so gemeint hat. Dann wird es vorkommen, dass er oder sie dich um Verzeihung bittet und genau darum soll es heute gehen. Um das Verzeihen. Wie macht man das? Wie kann man überhaupt so etwas Schreckliches wie Fremdgehen verzeihen? Darf man das?

Verzeihen – wie ich finde, ein sehr wichtiges Thema, dem leider viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird – denn wer nicht komplett in Isolation lebt, der kommt ums „Verzeihen“ oder ums „um Verzeihung bitten“, nicht herum.


Verzeihen – warum überhaupt?

Ein weißer Spruch besagt, dass einen immer diejenigen, die einem am nächsten stehen, am meisten verletzen. Wenn wir jemanden nah an uns heranlassen und ihm unser Herz öffnen, egal ob auf freundschaftlicher oder partnerschaftlicher Ebene, dann macht uns das leicht verletz- und angreifbar. Nähe ist auf der einen Seite schön, weil man viele intime Momente erleben kann, aber Nähe ist eben auch unschön, wenn sie einer ausnutzt und Mist baut. Das kann dann richtig weh tun.

Ein physischer Schmerz kann nie so schlimm sein, wie ein psychischer. Wer schon mal betrogen wurde, wird mir da zustimmen. Aber damit ist es nicht getan. Man darf nicht sagen, ich lasse keinen mehr an mich ran, nur weil ich einmal verletzt wurde. Es gibt Menschen, die sind uns so wichtig, dass sie es verdient haben, eine zweite Chance zu bekommen, wenn es Chancen auf Besserung gibt. Gerade diese Liebsten sollten uns diesen Blick schon wert sein.

Übrigens, Verzeihen hat nicht immer etwas mit dem Verzeihen des Fehlers eines anderen zu tun, ganz oft muss man lernen sich selbst zu verzeihen, das ist fast noch wichtiger als die Fehler anderer. Anderen verzeihen wir viel schneller, mit uns selbst gehen wir viel härter ins Gericht, als mit anderen – aber das nur am Rande!


Kannst du mir verzeihen?

Mit dieser Frage fängt oft alles an! Und mit den Worten „Das werde ich dir nie verzeihen können“ hört es dann genauso oft schon wieder auf. Punkt, Aus, Ende der Fahnenstange. Nicht verzeihbar ist ein Prädikat, das in den seltensten Fällen sofort verhängt werden sollte. Natürlich gibt es Dinge, die so abartig und ekelhaft sind, dass ein Mensch deswegen für uns „gestorben“ ist.

Die Frage lautet aber immer: Warum hat ein Mensch das gemacht, und warum hat mich das so sehr verletzt? Diese Fragen stellt sich aber niemand mehr, der erste Schmerz, der erste Moment, der uns überkommt, wenn wir verletzt werden, ist so stark und sticht so tief, dass für einen zweiten Blick oft keine Kraft da ist – aber so funktioniert verzeihen nicht!

Nähern wir uns dem Thema Verzeihen doch mal von der psychologischen Seite. Warum verweigern wir das Verzeihen? Keine Ahnung? Es ist ganz einfach: Wir Menschen reagieren mehr oder weniger alle gleich – und zwar emotional. Wir glauben unbewusst, den anderen damit zu bestrafen, dass wir ihm oder ihr nicht verzeihen. Wir möchten uns gleichsam für die erlittenen Schmerzen, die Scham oder die gefühlte Demütigung rächen. Ein Bedürfnis, das zwar menschlich und nachvollziehbar, aber leider nicht nützlich oder erfolgversprechend ist.

Und wem schaden wir am allermeisten, wenn wir das Verzeihen verweigern? Dem anderen?
Hmm, naja, diese Illusion muss ich dir leider rauben: Tatsächlich ist es so, dass wir am meisten uns selbst bestrafen, wenn wir nicht verzeihen können. Wir machen uns selbst zu Opfern und zwingen uns dazu, nicht vergessen zu können. Der Gedanke an den Schmerz wird so immer weiter hoch gehalten. Das Messer in der Wunde bleibt stecken – und je länger es da bleibt, desto tiefer sinkt es.

Wer an seinem Schmerz festhält, bestraft sich letzen Endes selbst.” – Leo. F. Buscagli


Verzeihen – was bringt mir das persönlich?

Nur wer verzeihen kann, der kann seine Wunden auch heilen. Verzeihen heißt loslassen von dem Schmerz und Platz machen für neue positive Gedanken und Gefühle. Nur wer lernt zu verzeihen, wird Erleichterung spüren und den Schmerz hinter sich lassen.

Verzeihen ist übrigens eines der besten Trainingsprogramme um sein Selbstwertgefühl und seine Verantwortungsfähigkeit zu stärken. Denn Verzeihen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke. Ein Mensch, der es schafft zu sagen „okay, ich verzeihe dir“  ist viel stärker als ein Mensch, der sagt „ich kann dir das niemals verzeihen“. Und jetzt das Wichtigste:

Verzeihen heißt NICHT etwas gut heißen!

Das ist ein gigantischer Unterschied, wer einfach sagt: Ja mit mir kann man es machen, ich verzeihe dir, der hat das „Prinzip Verzeihen“ nicht verstanden. Du kannst jemanden verzeihen, aber ihn oder sie trotzdem falsch, schlecht, ekelerregend, unangemessen oder kriminell finden. Es geht darum sich selbst zu schützen, von den schlimmen Gedanken zu befreien und nicht etwas schön zu reden.

Alles was Verzeihen erst einmal tut, ist dich von dieser Schrecklichkeit zu befreien, oder eben den Weg frei zu machen dich wieder gut zu fühlen! Die Tat wird dadurch aber nicht weniger schlimm! Du entscheidest dich nur dazu, dass diese Tat dein Leben ab jetzt nicht mehr dauerhaft beschädigt!


Verzeihen – so geht’s!

Das Wichtigste zuerst: Verzeihen ist ein langsamer Prozess, der nicht von heute auf nachher abgeschlossen ist. Deswegen macht es eigentlich auch keinen Sinn, von jemandem sofort nach der Offenbarung der Tat um Verzeihung zu bitten oder dazu zu drängen. Die beste Antwort auf die Frage nach der Vergebung, ist tatsächlich: Das kann ich jetzt noch nicht!

Verzeihen Tipp 1:
Denke ganz bewusst an das Ereignis, das du nicht verzeihen kannst. Und dann frage dich: Was hast du dazu beigetragen? Trägst du auch eine Mitverantwortung? Wer hat diese Wirkung verursacht?

Verzeihen Tipp 2:
Versuche dich in die andere Person hineinzuversetzen. Was hat ihn oder sie dazu gebracht dich so zu verletzen? Was hat aus seiner oder ihrer Perspektive dazu geführt, dass er oder sie sich so verhalten hat?

Verzeihen Tipp 3:
Versuche immer daran zu denken, dass das Verzeihen rein gar nichts mit Schwäche eingestehen zu tun hat. Nein, es ist eine Stärke, ein Akt der Selbstbestimmung! Verzeihen tust du für dich und nicht für einen anderen!

Verzeihen Tipp 4:
Gibt es eine Möglichkeit, dass ihr beide wieder gut miteinander auskommt oder die Beziehung weiter führt? Ist der Fehler wirklich so schlimm? Fühlst du dich so sehr verletzt, oder nur auf den Schlips getreten? Wiegst du das Vergehen gegeneinander auf? Addierst du? Bist du fair in deinem Urteil? Überprüfe bitte, ob diese eine negative Erfahrung, alle anderen positiven Erfahrungen in Frage stellen kann.

Verzeihen Tipp 5:
Wenn du dir sicher bist, dass das, was ein Mensch dir angetan hat, nicht zu rechtfertigen ist und du nie wieder Kontakt möchtest, ist das okay. Beim Verzeihen geht es nicht darum etwas zu ignorieren oder gut zu heißen. Du darfst sagen: „Ich  mag das nicht, es hat mich verletzt und ich finde es immer noch Mist, aber ich vergebe dir!“

Und wenn nichts mehr hilft, dann hilft das Gespräch. Sprich mit diesem Menschen noch einmal. Höre dir seine Argumente oder Emotionen an. Oder schreibe einen Brief. Ein weiterer Tipp, wenn der Mensch bereits gestorben ist, oder du keinen weiteren Kontakt wünschst: Schreibe einen Brief, in dem du dieser Person verzeihst und dann verbrenne ihn. Das kann sehr befreiend wirken.

Ein Buch, das viele tolle Einblicke in das Thema Verzeihen gibt, ist übrigens das hier: Yofi – Die Kunst des Verzeihens.

In diesem Sinne, lass  andere nicht über dein Leben bestimmen. Sei selbstbestimmt und verzeihe, verzeihe dir und anderen und lasse diese ganzen schrecklichen Gefühle hinter dir!


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Kommentare (2)

  1. Monika Albicker

    Verzeihen können ist eine hohe Kunst. An erster Stelle steht dabei sich selber zu verzeihen. Alles geht von mir selber aus. Habe ich in meinem inneren Ruhe und Frieden geschaffen, dann ist es gar nicht so schwer auch die größte Krise, den größten Streit oder das größte Missverständnis friedvoll bei zu legen.
    Es funktioniert, zuerst verzeihe ich mir und erst dann kann auch der andere mir und sich selber verzeihen. An jedem Konflikt sind, wie man von alt her weiß, immer 2 beteiligt
    In diesem Sinne
    Der Friede geht von mir aus

  2. Grundsätzlich ein guter Ansatz. Um nachhaltig etwas zu ändern, sollte ich mich aber fragen, warum dieses Ereignis überhaupt in mein Leben gekommen ist. Wo ist die Resonanz in mir, dass ich diese Realität für mich erschaffe? Der andere hat es auf sich genommen, mir mein unerlöstes Problem zu zeigen. Dafür kann ich dankbar sein. Dann entfällt das etwas überheblich wirkende ´ich verzeihe dir´. Es liegt an mir, in meine Kraft zu kommen, damit ich solche Situationen nicht mehr in mein Leben ziehe.

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